Teil 18

Liebe Margit,
wir sind schon seit einer Stunde wieder zuhause und ich habe jetzt doch nochmal Zeit, dir zu schreiben. Das Wetter hat ja einigermaßen mitgespielt, wenn denn mal ein Schauer runterkam, waren wir unter Dach und Fach. Zuerst waren wir im Schifffahrtsmuseum, was mich eigentlich nicht so sehr interessiert, dafür aber meine Männer. Anschließend waren wir im Fischereihafen. Dort sind viele alte Fischauktionshallen umgebaut worden in viele kleine gemütliche Restaurants und Geschäfte. Das Wetter war so, dass wir sogar draußen sitzen und essen konnten. Anschließend haben wir noch eine einstündige Hafenrundfahrt gemacht. Als wir wieder zurückkamen, war aber leider der ganze Fisch ausverkauft und wir sind mit leeren Händen wieder nachhause gefahren. Naja, dafür haben wir Geld gespart.
Jetzt muss ich gleich noch ein wenig die Wohnung aufräumen und dann bekommen wir ja noch Besuch.
Das Aufnehmen vom PC muß ich nochmal mit einem besseren Recorder versuchen, dieses war schon ein ziemlich altes Ding, und ich denke, dass es daran gelegen hat. Ich hatte mir extra ein Überspielkabel gekauft und das soll ja nun eigentlich nicht umsonst gewesen sein.
Ich hoffe, dein Tag heute ist besser verlaufen und ich bekomme morgen eine schöne lange Mail von dir. Ist die mp3-Datei angekommen? Es hat ziemlich lange gedauert, bis sie draußen war, aber es kam keine Fehlermeldung.
Jetzt wünsche ich dir nochmals viele liebe Grüße
Deine Daggi

Liebe Daggi,
vielen Dank für deine drei Mails heute. Ich fange mal gleich mit dem Ende der ersten an, die Frage mit den drei Fragezeichen: so wörtlich hattest du das noch nicht geschrieben. Es tut gut zu wissen, dass es dir auch so geht. Jetzt fühlī ich mich auch wieder besser. Mit dem Mailen, das ist schon eine etwas zwiespältige Art der Kommunikation und des Kennenlernens. Irgendwie fühle ich mich zeitweilig so vertraut und dann auf einmal wieder so entfernt von dir. Es fehlt einfach was, wenn man sich nicht ansehen kann beim reden oder mal zusammen lachen oder ein Glas Wein trinken. Andererseits könnte ich aber auch kaum etwas von mir offenbaren, wenn wir uns "normal" kennen lernen würden, dazu bin ich einfach nicht in der Lage. Es dauert Ewigkeiten, bis ich mal auftaue und einige Dinge, die wir uns mailen, könnte ich anders und mit anderen schon gar nicht ansprechen. Verrätst du mir bei Gelegenheit noch, was anstelle der .... gestanden hätte?
Leider komme ich heute Abend erst sehr spät an den PC. Wir waren nach dem Hundespaziergang noch beim Tierarzt mit einer verletzten Amsel. Ich weiß nicht, wie du zu sowas stehst, aber ich kann weder Mensch noch Tier leiden sehen. Natürlich weiß ich auch, dass die Natur aus Fressen und Gefressenwerden besteht und man Tiere nicht vermenschlichen soll, aber Tragödien im eigenen Garten halte ich nicht aus. Jetzt frisst die Amsel wieder, macht schon Flugversuche und scheint ganz munter. Hoffentlich haben wir keinen Katzenbesuch aus der Nachbarschaft heute Nacht. Aber deshalb draußen zu campieren, das ginge wohl doch etwas zu weit.
Kaum vom Tierarzt zurück, riefen nacheinander mein Bruder und meine Mutter an und gegen halb zehn hatten wir dann immer noch nichts gegessen, außer unsere Frühstücksbrote am Vormittag.
Meine Klamotten werde ich wohl auch besser morgen vor der Arbeit noch schnell bügeln, ich bin zu k.o. jetzt.
So wie das klingt, hattet ihr heute einen schönen Tag, wenn auch leider ohne Fisch für daheim. Fisch esse ich übrigens gerne. Im Schifffahrtsmuseum war ich auch schon mal, ist schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich noch an so einen Holzkahn im Außenbereich, wo ich an einer Stelle im Gegensatz zu allen anderen Besuchern noch aufrecht durchgehen konnte. Ich muss die Fotos mal raussuchen. Da wir beide ja gerade an meiner Vergangenheitsbewältigung arbeiten (das ist jetzt nicht so ernst gemeint!), könnte ich die auch allmählich mal wieder ansehen.
Gut, dass dein Film jetzt voll ist, ich bin doch inzwischen recht neugierig auf Euch. Fotografierst du viel? Ich meistens nur im Urlaub, aber dann heftig.
Vielleicht sollte ich mit Birgits Eltern wirklich mal Kontakt aufnehmen und rausfinden wo sie zur Zeit erreichbar ist. Da hast du schon recht. Es lässt mir auch keine richtige Ruhe so.
Rolf hatte ich mir anders vorgestellt, eher klein und drahtig, keine Ahnung warum. Mit dem Lärm an seinem Arbeitsplatz, das kann ich mir schon stressig vorstellen und den übrigen Job als Geschäftsführer erst recht. Rauchst du eigentlich?
Ich habe gleitende Arbeitszeit, d.h. ich kann zwischen 7.00 und 8.30 Uhr anfangen und frühestens um 16.00 Uhr gehen, freitags um 13.00 Uhr. Tröstlich, dass du auch den Überblick verloren hast, welche Fragen noch offen sind. Aber ich bin da optimistisch. Entweder findet man sie beim durchblättern mal wieder oder man kommt automatisch noch mal darauf zurück. Momentan sind wir ganz gut beigekommen, glaube ich.
Nun zur Mail mit dem J.A.-Song. Das war eine gute Idee von dir (fand ich jedenfalls sofort, nachdem ich den Schrecken überwunden hatte, von Rolf angemailt zu werden ;-)). Über die 2 MB-Begrenzung bei gmx war ich mir gar nicht klar. Ich finde das toll, dass du dich mit dem ganzen Kram so auskennst.
Ich habe die Datei auf dem Desktop abgelegt und kann so immer mal wieder reinhören. Es hat übrigens auch Ewigkeiten gedauert, bis ich deine Mails im Outlook hatte, das war heute sehr spannend aber es hat sich gelohnt. Sabine und der Hund hüpften im Flur bereits ungeduldig von einem Fuß bzw. einer Pfote auf die andere, weil ich ja eigentlich "nur mal schnell" nach e-Mails gucken wollte, vorīm Hundespaziergang.
Habt ihr noch lange gezockt heute Abend? Ich spiele ganz gerne, Kartenspiele eher weniger, die kenne ich kaum, aber wir haben inzwischen eine recht umfangreiche Spielesammlung.
Wie du gehofft hast, ist mein Tag heute wirklich besser verlaufen als gestern und eine lange Mail bekommst du auch.
Ich wünsch dir eine gute Nacht und träumī was Schönes!
Viele liebe Grüße
Margit

Fortsetzung folgt